So kommt deine Hilfe an: Wir waren für dich bei der Seifen- und Nahrungsmittelverteilung im Senegal und haben gesehen, was für einen Unterschied wir gemeinsam machen – denn wir waren schneller, als der Hunger!

Die vielen wunderbaren, inspirierenden und motivierenden Eindrücke haben wir dir mitgebracht und hier aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen und schreib uns danach doch gerne, was deine Eindrücke sind. Denn das hier ist deine Hilfe!

2. Oktober 2018: Unsere Jeeps folgen landeinwärts dem Lauf des Flusses Senegal, der die Nordgrenze des gleichnamigen Landes in Westafrika markiert. Wir sind auf dem Weg in das Department Podor. Hier leben sie: Die Kinder, für die du mit deinem Einkauf seit einigen Monaten gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Aktion gegen den Hunger ein Leben ohne Hunger ermöglichst – wir haben uns aufgemacht, um sie in deinem Namen zu besuchen und um dir zu zeigen, wie deine Hilfe hier im Senegal ankommt.

Wir – das sind share Co-Gründerin Iris (rechts) und Marie aus dem Kommunikationsteam (links). All die tollen Bilder stammen von Charlotte Hafke.

Wo der Weg vom Ziel erzählt

Endlose Ebenen, weite Steppen, kleine Sträuche und schlanke Akazienbäume – eine stolze und zugleich karge Landschaft präsentiert sich uns, als wir sie auf unserem Weg ins Dorf Ndioum im Norden Senegals passieren. Unsere Reise hatte in Dakar begonnen, der wirtschaftlich boomenden Hauptstadt, wo wir in der Nacht unserer Ankunft auf dem Weg vom Flughafen noch über die neu errichtete, bis in die Nacht hell erleuchtete Basketball Arena gestaunt hatten. Nun sind wir auf der Schnellstraße N2 unterwegs, die sich von Dakar aus bis zur Nordgrenze des Flusses Senegal zu Mauretanien und dann an ihr entlang nach Osten windet.

Häuser weichen zunehmend Ansammlung kleiner, runder Hütten, deren Dächer mit Stroh bedeckt sind. Anstelle bunt bemalter und immer vollbepackter Buschtaxis überholen unsere Jeeps nun immer häufiger Eselskarren, auf denen sich – für unser fremdes Auge – oft viel zu viele Menschen auf ihrem Weg zum Markt oder von diesem zurück in ihr Dorf drücken. Einige winken uns zu, die schnellen Jeeps, mit denen wir unterwegs sind, und unsere weißen Gesichter hinter den Scheiben erregen in jedem Fall Aufmerksamkeit. Kuh- und Ziegenherden werden über die Straße getrieben oder grasen in den unendlichen Weiten der Savanne, die sich hinter den kleinen Dörfern erstreckt. Es ist nicht selbstverständlich, dass hier Gras wächst und die Menschen ihre Viehherden weiden können: Das geht nur zum Ende des Sommers und in der Monaten danach – denn dann ist hier Regenzeit.

Der Klimawandel, allmächtig und ungnädig

In Dakar hatte uns Fabrice Carbonne, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Senegal, erzählt, warum das so problematisch ist und letztendlich zur Notwendigkeit von Entwicklungshilfe führt. Kurz gesagt: Es ist kompliziert.

Der Senegal ist einerseits wirtschaftlich eines der stabilsten Länder Westafrikas. Doch die nördlich gelegenen Regionen Podor und Matam bilden eine Ausnahme – sie liegen in der Sahel-Zone, eine Region in Afrika, die zwischen der Sahara im Norden und den Tropen in südlicheren Gegenden liegt. Hier sind die Folgen des Klimawandels seit einigen Jahren bereits massiv zu spüren, denn es fällt immer weniger Regen. Dabei sind ist der Zeitraum, in dem es dafür eine Chance gibt, ohnehin begrenzt: Nur an gut 30 Tagen während der Sommermonate regnet es – zumindest war es so, bevor der Klimawandel alles dramatisierte.

Die Menge an Niederschlag entscheidet aber über die Ernte der ansässigen Bauern und damit auch über des gesamten kommenden Jahres. Ob es genügend Weidegras für ihre Tiere gibt und diese überleben oder ob die Männer mit dem Vieh in den feuchteren Süden ziehen müssen und Familien getrennt werden – all das entscheidet der Regenfall. In direkter Konsequenz hängt davon also auch ab, ob die Familien und ihre Kinder Hunger leiden müssen: Wenn die Ernte gut ausfällt, kommen die meisten über die Runden. Wenn aber nicht genügend Regen fällt, wird es am Ende der darauffolgenden Regensaison richtig knapp. Ersparnisse und Rücklage haben die meisten nicht, man lebt von der Hand in den Mund. Das geht aber nicht, wenn es kein Geld und auch keine Lebensmittel mehr gibt.

Solche Dürrejahre und ihre dramatischen Folgen häufen sich seit einiger Zeit. Schuld ist der Klimawandel. Das vergangene Jahr war solch ein schlimmes Jahr: Es ist nur sehr wenig Regen gefallen – 66 Prozent weniger als im Vorjahr! Es gab Ernteausfälle, viele Herdetiere starben und es konnten nicht genügend Rücklagen geschaffen werden. Die Menschen sind also in diesem Sommer 2018, ein Jahr nach der Dürre, akut von einer Hungersnot bedroht gewesen.

Daher sind wir eingeschritten: Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger arbeitet im Senegal mit örtlichen Gemeinden und Institutionen sowie mit internationalen Gebern zusammen, um in den speziell gefährdeten Regionen Podor und Matam den Hunger langfristig zu bekämpfen und kurzfristig einzuschreiten, wenn wie im vergangenen Jahr eine Dürre ausbricht. Wir freuen uns, sie als tollen Partner vor Ort zu haben und wissen nun: Es hat so viel gebracht, das Projekt gemeinsam mit dir unterstützt zu haben. Denn jetzt, nach all den traurigen Hard Facts, die gute Nachricht: Die Katastrophe haben wir in diesem Jahr verhindert!

2017 – 2018 

Wenn Hilfe Realität wird

Wir erreichen Ndioum. In dem kleinen Dorf befindet sich das Feldbüro von Aktion gegen den Hunger. Wir werden herzlich begrüßt und hereingebeten. Als Eli, Maguette und Kardioum stellen sich einige der Mitarbeiter und Freiwillige hier in der Podor-Region vor. Sie berichten uns auf Französisch von ihrer Arbeit und bereiten uns auf das, was uns gleich im Feld erwarten wird, vor. Das Briefing und Kennenlernen dauert nich lange, schon sitzen wir wieder in den Autos, um endlich mit eigenen Augen zu sehen, wie unser Lösungsansatz hier Wirklichkeit wird.

Wir fahren immer tiefer ins offene Buschland hinein – die befestigte Straße weicht Sandwegen, die sich durchs karge Grasland ziehen und auf manchen Teilen der Strecke brettern unsere Jeeps direkt über die blanke Erde und durchqueren nur gelegentlich kleine Dörfer. In einem halten wir an. “Wir sind angekommen”. Maguette strahlt, denn sie weiß – wir können es kaum noch erwarten.

Draußen herrschen 43 Grad, der Schweiß beginnt in dem Moment zu rinnen, als wir die Türen öffnen und unsere Haut mit der Luft in Berührung kommt. Die Sonne blendet. Nun ist es gut vorstellbar, dass es hier niemals abkühlt. Weder nachts, noch an den vereinzelten Regentagen – die Hitze ist immer mörderisch. Darum wurde mitten in dem Dorf, in dem die Verteilung stattfindet, zwischen Bäumen ein Schattenplatz aufgebaut, unter dem rund fünfzig Mütter mit ihren Kleinkindern und Babys sitzen. Sie blicken uns, den Neuankömmlingen, offen und freundlich entgegen, sie haben uns erwartet.

Hunger trifft meist die Schwächsten: Kleine Kinder unter fünf Jahren und werdende und stillende Mütter sind besonders von Unterernährung bedroht. Darum verteilet Aktion gegen den Hunger deine gespendeten Mahlzeiten genau an sie. Für einen share-Nussriegel wird eine mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Mehlspeise ermöglicht und so eine Basismahlzeit für jeden Tag in der kritischen Regensaison bereitgestellt. So stellen wir sicher, dass der Körper das kriegt, was er braucht, um vor Unterernährung geschützt zu sein.

Plötzlich sind wir sind mitten im Geschehen – die Verteilung ist in vollem Gange. Für uns ist es ein riesen Moment, die Nahrungsmittelpakete und vor allem ihre Rezipientinnen und ihre Kinder plötzlich leibhaftig zu sehen. Das 1+1 Prinzip wird hier Wirklichkeit und wir sind dabei!

Schon wird eins der Päckchen aufgemacht, der Inhalt in einen großen Topf geschüttet und vorgeführt, wie der Brei korrekt zubereitet wird. Alle schauen aufmerksam zu und am Ende dürfen wir auch mal probieren – schmeckt gut und macht satt! Enthalten ist nämlich das feingemahlene Mehl von Reis, Bohnen, Erdnüssen, Hirse, Mais – also Kohlenhydrate, angereichert mit Mineralien und Vitaminen.

Das Beste an den Powerpäckchen ist aber, dass sie in der Stadt Podor, die der Region ihren Namen gibt, in einer kleinen Manufaktur hergestellt und verarbeitet werden. Aktion gegen den Hunger unterstützt die Fabrik und hat damit eine Maßnahme umgesetzt, die die lokale Wirtschaft stärkt. Ein toller Ansatz, um langfristig gegen den Hunger hier im Nordsenegal zu kämpfen!

Hände waschen, um gesund zu bleiben

Nach der Demonstration der Breizubereitung folgt direkt ein Hygienetraining ­– neben Mahlzeiten werden hier bei der Verteilstätte monatlich nämlich auch die Seifen ausgegeben, die durch den Verkauf unserer share-Seifen ermöglicht werden.

In Extremsituation, wie sie in diesem Jahr herrschen, sind vor allem Kinder und geschwächte Personen empfänglich für lebensgefährliche Infektionskrankheiten. Die werden durch verunreinigtes Wasser oder mangelnde Körperhygiene übertragen und sind nach wie vor einer der Hauptgründe für Unterernährung und Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern. Das richtige Händewäschen und Basishygieneanwendungen können dem schon viel entgegensetzen ­– somit unterstützt unsere Seifenverteilung die medizinische Grundversorgung vor Ort und hilft, schlimme und unnötige Krankheiten und ihre Folgen zu vermeiden.

Eine Freiwillige zeigt den Frauen in der Runde, wie man sich mit der Seife richtig die Hände wäscht. Sie ist selbst Mitglied der Dorfgemeinschaft. Als sie vom Nutzen des Händewaschens erfahren hat, hat sie sich für die Durchführung des Trainings von Mitarbeitern von Aktion gegen den Hunger weiterbilden lassen, um ihren Nachbarinnen und deren Kleinkindern zu helfen. Man sieht ihr die Zufriedenheit, die ihr diese Aufgabe gibt, im Gesicht an – es muss wunderbar sein, seiner Gemeinschaft so etwas Gutes und Wichtiges zurück zu geben! Wir finden ihre Geschichte sehr inspirierend, denn sie zeigt, was Entwicklungshilfe leisten kann: Hilfe zur Selbsthilfe.

Nach der Vorstellung kommt jede Frau mit ihren Kindern nach vorne. Sie erhält eine Monatsration der Nahrungsmittelpakete für alle unter Fünfjährigen und eine Seife. Jedes Kind wird nun noch untersucht. Mit Hilfe eines speziellen Maßbands wird der mittlere Oberarmumfang gemessen, die MUAC-Methode, wie wir erfahren. Ist der Wert im gelben oder roten Bereich, gilt das Kind als akut unterernährt und wird sofort in medizinische Versorgung weitergeleitet. Heute haben wir Glück: Keines der Kinder ist betroffen.

 

Vor Antritt unser Reise hierher hatten wir schockierende Eindrücke erwartet. Wir hatten gedacht, Hunger und Leid mit eigenen Augen zu sehen und waren nicht sicher, wie gut wir damit umgehen können würden. Doch das, was uns hier in Podor erwartet hat, war ganz anderer Natur: Es war die pure Hoffnung und Stärke. Die Menschen hier haben ein unglaublich schweres Leben und die Bedingungen sind nahezu untragbar. Und doch, die Hilfe, die Aktion gegen den Huger hier umsetzt, macht einen großen Unterschied. Sie packt das Problem nicht an der Ursache – der Kampf gegen den Klimawandel ist ein anderes Thema und in unser aller Hand – und dennoch schafft diese Hilfe Unglaubliches: Eine echte Verbesserung der Lebensumstände zahlreicher Menschen. Sie schafft den Kampf gegen den Hunger und für das Leben. Und dafür lohnt es sich immer zu kämpfen!

Wir wollten mit share ein Mittel dazu ins Leben rufen und fahren stolz nach Hause: Denn gemeinsam mit dir schaffen wir das hier im Nordsenegal und genauso bei zahlreichen weiteren Projekten, wo Hilfe nötig ist – und das weltweit.

All das ist nur dein Verdienst! Erste Beobachtungen vor Ort zeigen, dass dank der Nahrungsmittel- und Seifenverteilung nur noch etwa halb so viele Kinder in der Gegend mangelernährt sind, wie zu Beginn der Nahrungsmittelverteilung. Damit sind wir noch nicht da angekommen, wo wir hinwollen – nämlich den Hunger ganz zu beenden! –, aber trotzdem macht diese Zahl uns sehr glücklich. Denn unsere Projektreise in den Senegal hat uns gezeigt, was sie eigentlich bedeutet: Wunderschöne, starke und lebensbejahende Kinder und Mütter, die nun ihr Recht auf ein Leben ohne Hunger zugesprochen bekommen haben.

Für sie alle gehen wir gemeinsam diesen Weg. Danke, dass du ihn mit uns gehst und sharest!