Lifestyle
Fashion von Heute, Weitblick auf Morgen – Panel-Diskussion „Rethinking the fashion industry“ im Goldenen Haus von share
17. Dezember 2021
Im Oktober 2021 haben wir einen ehemaligen “Konsum”-Supermarkt in Berlin-Mitte in einen kreativen Pop-up Space verwandelt. Es gab Talks, Konzerte, Live-Streetart und vieles mehr rund um die Themen Social Consumption, Social Impact und Social Lifestyle.

Am 14. Oktober drehte sich alles um das Thema Mode:  Drei Fashion-Experten erklärten uns beim Panel „Fashion von Heute, Weitblick auf Morgen“ inwieweit sich ihre jeweilige Brand  für Nachhaltigkeit einsetzt. Mit dabei waren  Julia Kirchner, Sustainability Managerin bei Armedangels, Kathi Hoffmann, CEO von The Good Run und Carina Rudolf, Senior Category Managerin bei Mister Spex. Mit Mister Spex arbeiten wir übrigens gerade bei unserer #iwearsocial-Kampagne zusammen. Hierzu erfährst du im Verlauf dieses Artikels noch mehr, also: Stay tuned!

Armedangels: Von vorn bis hinten nachhaltig


Gestartet als kleines Studenten-Projekt begann die Erfolgsstory von Armedangels fast wie eine Märchengeschichte. 2007 wollten die zwei Studenten Martin Höfeler und Anton Jurina ein paar Shirts bedrucken und den Verkaufsertrag an gemeinnützige Projekte spenden. Sie designten, holten Produzentenangebote ein und merkten leider auch wie schmutzig die Fashionindustrie arbeitet. Mit viel Chemie und wenig Rücksicht auf Umwelt und Menschen. 

Das musste doch anders gehen! Martin und Anton schrieben ihren Business Plan um und gründeten eines der ersten Fairtrade-Labels Europas. Der Name: Armedangels. Die Vision: Keine Lohnsklaverei, kein Chemiewahnsinn, keine billige Massenware und eine ökologisch optimierte Produktionskette. 

Das Ziel: Vom linearen System zur Kreislauffähigkeit

Heute gibt es komplette Armedangels Outfits mit einer einwandfreien Lieferkette. Doch das grüne Unternehmen will mehr, noch radikaler nachhaltig werden, erzählt Julia Kirchner. Die neue Strategie: Kreislauffähigkeit. „Momentan ist die Fashion Industrie auf einem linearen System aufgebaut – wir kaufen, wir nutzen, wir schmeißen weg. Das ist derzeit bei Armedangels nicht anders“, erklärt die studierte Enviromental Resource Managerin. 

„Aber wir können diese massive Über- und Müllproduktion nicht weiter ignorieren. Wir müssen weg von diesem System. Und genau hier kommt unser neues Circularity-System ins Spiel. Armedangels will künftig im Loop bleiben. Also Produkte produzieren, die verkauft, getauscht, vielleicht sogar als Putzlappen verwendet werden, bevor sie dann irgendwann zu Armedangels zurückkehren und fast ohne Wertverlust in ein neues Kleidungsstück umgewandelt werden“. 

Auch für Armedangels ist dies ein radikaler, aber absolut logischer nächster Schritt. Prototyp des zirkulären Systems war das Circular-Tee. Ein T-Shirt, produziert aus alten Schnittresten. Um genug dieser Reste zu haben, führte das Unternehmen auch gleich ein Take-Back-System ein. Kund:innen können nun ihre alten Shirts an Armedangels zurückschicken. Sollten sie dann künftig ein neues Shirt kaufen, kann es sein, dass es zu einem Teil aus ihrem alten Shirt besteht. Recycling in Perfektion sozusagen. Mittlerweile stellt Armedangels so auch neue Jeans her. 

Der Recycling-Prozess soll weiter optimiert werden

Doch trotz allem habe die Produktion einen Haken: „Bei jedem Recycling-Prozess gibt es einen minimalen Materialverlust. So bestehen unsere recycelten Denims momentan zu 20 Prozent aus recycelter Baumwolle und zu 80 Prozent aus frischer virgin organic Baumwolle. Da ist die Technologie einfach noch nicht weit genug, um langlebige Produkte mit einem noch größeren Recycling-Anteil herzustellen.“, erzählt Julia. Doch sie ist guter Dinge, dass sich auch dieses Problem in den kommenden Jahren lösen lässt. 

The Good Run: Sportlich in grün 


Als leidenschaftliche Sportlerin merkte Gründerin Kathi Hoffmann früh, wie schwierig es ist, Sportklamotten zu finden, die funktionell und gleichzeitig nachhaltig sind. Als gelernte Textiltechnikerin wusste sie sehr genau, wie massiv Mensch und Planet ausgebeutet werden, um immer billigere Klamotten zu produzieren. Irgendwann reichte es ihr. Sie schmiss ihren Job und wurde hauptberuflich Läuferin. Doch auch dort fielen ihr die Missstände auf. 

Ihr Athleten-Vertrag schrieb vor, mindestens acht Sport-Kollektionen im Jahr auf ihren Social-Media-Kanälen vorzustellen. Und ganz gleich wie nachhaltig die von ihr beworbenen Produkte waren, so ging es doch immer um Profit. Die Sportlerin setzte sich also intensiver mit dem Thema „Nachhaltigkeit im Sport“ auseinander und stellte schnell fest: Es ist unfassbar kompliziert wirklich faire, nachhaltige und ökologische Sportbekleidung zu finden. „Da musst du zig Artikel lesen, Zertifikate studieren – und am Ende ist die Sporthose doch gar nicht mehr so ökologisch wie angepriesen“.

Eine Plattform für nachhaltige Sportkleidung

Ihre Lösung: The Good Run. Die 2020 ins Leben gerufene Plattform bietet nachhaltige Laufsachen für Jedermann und Jederfrau. Der spezifische Mehrwert eines Produktes wird klar und transparent dargestellt. So sollen die unterschiedlichsten Kund:innen nachhaltige, zu ihnen passende Mode finden. „Nachhaltigkeit ist eine super persönliche Sache“, findet Kathi „Der eine möchte komplett vegan leben, der andere lediglich auf Pelzprodukte oder ähnliches verzichten. Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, schnell und einfach die Produkte zu finden, die ihnen ein ‚nachhaltiges‘ Leben ermöglichen. In ihrem Rahmen und nach ihren Wünschen.“ 

Wie sehr eine solche Plattform gewünscht ist, stellte das Unternehmen noch vor Unternehmensgründung fest: „Wir starteten mit einer kleinen ersten Kollektion ein Crowd-Funding Projekt. Manche kauften unsere Klamotten, viele spendeten aber auch einfach so oder kauften Gutscheine. Über die Hälfte dieser Gutscheine sind bis heute nicht eingelöst worden. Die Leute schrieben uns: ‚Ich wünsche mir, dass es sowas gibt. Bitte macht das!‘ “. Und das The Good Run Team merkte: Die Idee ist echt gut. 

Im Fokus: Gutes tun!

Übrigens: Das Buzz-Word „Nachhaltigkeit“ steckt absichtlich nicht im Namen. „Zu oft wird Nachhaltigkeit für Green-Washing verwendet. Deswegen haben wir auch nur inhabergeführte Unternehmen im Portfolio. Diese können deutlich besser Entscheidungen im Sinne der Nachhaltigkeit treffen als Aktien-Unternehmen“. Auch kleinere Start Ups findet man bei The Good Run. „Unser Leitsatz ist bei allen Unternehmen gleich: Inhabergeführt und stets verantwortungsvoll sollen sie sein. Ansonsten haben wir quasi alles im Portfolio. Hauptsache jeder, der Gutes tut, kriegt eine Stimme“.

Im ersten Jahr arbeiteten die Kollegen, die mittlerweile gute Freunden sind, noch umsonst und finanzierten ihr Leben mit Freelance-Aufträgen. Mittlerweile erreicht The Good Run u.a. durch Fördergelder eigenständig seine Umsatzziele. „Aber bevor wir auf Biegen und Brechen Umsatzziele erreichen, wollen wir vor allem dafür sorgen, dass der Sport nachhaltiger wird. Da geht Vision definitiv vor Profit.“, betont Kathi. Demnächst wird sich das Unternehmen allerdings wieder auf die Suche nach Fördergeldern machen, denn eins ist sicher: The Good Run will wachsen und hat noch viel Nachhaltiges vor!

Mister Spex: Für mehr Durchblick im Umweltdschungel 


Europas führender Online-Optiker möchte seine Liefer- und Produktionsketten Schritt für Schritt in Richtung grüne Zukunft aufstellen. Seit 2021 agiert Mister Spex deswegen komplett klimaneutral und arbeitet mit 100% Ökostrom. Diese Wandlung wird nicht allein durch die allgegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung angetrieben. Auch den Mister Spex-Mitarbeiter:innen selbst ist es ein großes Anliegen, Verantwortung für ihre Arbeit und Produktion zu übernehmen. 

Unter #CorporateResponsibility werden regelmäßig neue, nachhaltige Ideen von Mitarbeitern aufgenommen und umgesetzt. Besonders stolz ist Senior Category Managerin Carina u.a. auf die von ihr mitentwickelte Mister Spex Marke CO CO. Denn bei CO CO – kurz für Contemporary Conscious – ist der Name Programm: Die schicken Brillenrahmen überzeugen nicht nur durch klare, minimalistische Designs, sondern vor allem durch die nachhaltige Fertigung aus reinem Bioacetat, einem organischen Naturprodukt. 

Damit sind die Brillen von CO CO sowohl recycelbar als auch biologisch abbaubar. „Eyewear ist ja bisher gar nicht so im Kopf der Menschen, wenn es um Nachhaltigkeit geht“, erzählt die Diplom-Modedesignerin. „Aber auch hier passiert super viel. Es gibt tolle Ansätze, wie beispielsweise das Acetat Renew, wo Acetat kreislaufmäßig verarbeitet wird, um irgendwann zero-waste-mäßig zu produzieren. Es kommen ständig neue interessante Produkte auf den Markt, was echt toll ist. Wir behalten das immer im Auge und nutzen unsere Chance, wenn sie sich auftut“.

Mister Spex – walk in Shop und dennoch nachhaltig

Einen Widerspruch in der Tatsache, dass Mister Spex mittlerweile auch Walk In-Shops in ganz Deutschland hat und gleichzeitig eine nachhaltige Unternehmensführung anstrebt, sieht Carina nicht. „Wir versuchen unseren Kunden das Beste aus beiden Welten, online und offline, zu bieten. Nur wenn sie sich von uns bestens abgeholt fühlen, können sie eine gute und durchdachte Kaufentscheidung treffen. Sind unsere Kunden mit ihrem neuen Produkt happy, tragen sie es länger und kaufen nicht so schnell ein Neues. Für mich ist das ein ziemlich nachhaltiges System“. 

Damit die Kunden auch lange glücklich bleiben, bietet Mister Spex zusätzlich einen Reparatur- bzw. Korrekturservice an. Sollten Brillenwerte nicht mehr stimmen oder sollte der Rahmen beschädigt worden sein, können Kunden ihre Brillen kostenlos einschicken und überarbeiten lassen. Gut für sie und für die Umwelt.  

Mister Spex und share


Übrigens: In exklusiver Partnerschaft mit Mister Spex haben wir gerade unsere erste Brillenkollektion auf den Markt gebracht. Unsere Social Eyewear Collection setzt sowohl modisch als auch sozial ein Statement: Denn jede verkaufte share-Brille spendet eine EinDollarBrille an einen Menschen, der sich selbst keine leisten könnte. 

Die EinDollarBrille wurde 2012 vom Lehrer Martin Aufmuth entwickelt, der seitdem mit seinem Verein dafür kämpft, dass Menschen weltweit augenoptische Grundversorgung erhalten. Die Brille besteht aus einem extrem leichten, flexiblen und stabilen Federstahlrahmen und kann auf einer einfachen Biegemaschine ohne Strom hergestellt werden. Ein wirklich tolles Projekt – und wir sind mächtig stolz auf diese Kooperation. 

Du siehst, es passiert ganz schön viel in der Welt der Fashion. Bis wir aber wirklich von einer grünen Fashion Industrie sprechen können, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Wenn du wissen möchtest, was du tun kannst, um diesen Prozess zu beschleunigen und was Emoticons damit zu tun haben, schau dir doch die ganze Panel-Diskussion an. Wir wünschen viel Spaß und spannende Impulse!  
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