Lifestyle
Minimalismus-Falle: Warum Marie Kondo KEINE Weltverbesserin ist
29. September 2021
Marie Kondo – die Aufräumgöttin. Die Frau, die uns erklärt, wie Minimalismus funktioniert und nach welcher Formel wir unseren Kleiderschrank entrümpeln. „Macht dich das glücklich? Nein? Dann brauchst du es nicht“. Spätestens als sie die KonMari-Methode in einer eigenen Netflix-Serie namens „Aufräumen mit Marie Kondo“ in diversen Haushalten exerzierte, waren auch hierzulande alle im Aufräumfieber. Es wurde ausgemistet, was das Zeug nur hielt. Weg mit den Hosen, weg mit den Shirts, weg mit den Erinnerungsfotos – alles in die Tonne. Berge von Müllsäcken quittierten das erfolgreiche Entrümpeln. Bei Netflix und bei vielen von uns Zuhause. Übrig blieb ein mickriger Stapel „kondoisch“ gerollter Shirts für Montag bis Sonntag und strahlende Gesichter. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Zauber und warum ist gesundes Konsumieren viel nachhaltiger?

Minimalismus: Ausmisten, um den inneren Messi zu füttern

Weg mit allem, was nicht happy macht – die Leere genießen. Hach, schön. Ja, definitiv, Ausmisten kann dabei helfen, ein Gefühl von Freiheit zu erlangen. Irgendwie blickt man anschließend achtsamer auf sein Hab und Gut. Doch dann? Die einen üben sich weiter in Verzicht (und fechten sicher den einen oder anderen Kampf mit ihrem inneren Monk aus). Für die anderen geht’s los ins Getümmel. Neues einkaufen – ist ja jetzt so viel Platz im Schrank. So richtig können wir uns eben doch nicht von dem Urmenschen in uns lösen. Wir sind Jäger und Sammler! Eine neue Kiste für die gerollten Shirts muss her. Das weiß übrigens auch Marie Kondo und bringt genau im richtigen Moment ihre Produkte auf den Markt. Jetzt, nachdem sämtliche Schränke der westlichen Welt den Kahlschlag erlebt haben. Sorry, Marie, was war nochmal deine Message? Ach ja, wir brauchen nicht viel… aber so ein paar KonMari Dinge... well... 

Erst raus, dann wieder rein

Was wir den Marie Kondos dieser Welt danken dürfen: Wir denken über unseren Konsum nach. Fair point. Wir hätten da jedoch zwei „Aber“ in petto. Erstens: Konsum ist nicht per se schlecht. Dazu kommen wir gleich noch. Zweitens: Dezimieren kann befreiend sein – aber es hat rein gar nichts mit Minimalismus oder gar bewusstem Konsum zu tun, wenn ich mir anschließend überteuerte Tastatur-Bürsten (hä?), Tee-Dosen und einen neuen Leinen-Pyjama für 200 Euro kaufe – gelabelt von der Minimalismusqueen herself. Erst wird alles Unliebsame (und Liebsame) rigoros beseitigt (dieses Gefühl von Freiheit!). Und im Anschluss werden neue Dinge in die Schränke geräumt. Das ist eben genau nicht das, was wir heute unter einem achtsamen Konsum verstehen. Really not!

Auf die Nachhaltigkeit kommt’s an!

Zwei Jahre nach dem großen KonMari-Boom müssen wir umdenken. Minimalismus macht die Welt nicht besser. Nachhaltiges Denken, Handeln und Konsumieren jedoch schon. Good News: Wir müssen “nur” darauf achten, nachhaltig und bedachte zu konsumieren. Wenn wir bedacht konsumieren, konsumieren wir automatisch weniger.  Jeder von uns will es sich auch mal mit reinem Gewissen gut gehen lassen, mal über die Stränge schlagen, mal einfach shoppen gehen. Den Riegel an der Kasse mitnehmen, weil er einfach sexy aussieht. Das ist auch gut so und dafür muss sich niemand schämen. Es kommt nicht nur darauf an, wie viel du kaufst, sondern vor allem was! Wenn du dir jetzt denkst: „Klar, sagt ihr das – ich verkauft ja auch Lifestyle-Produkte“. Stimmt. Aber: Wir würden hier keine Lanze für Konsum brechen, wenn wir nicht der festen Überzeugung wären, dass du, du und du, ihr alle da draußen, damit helfen könnt. 

Jetzt macht mal ‘nen Punkt!

Okay. Machen wir! Unsere Message an dieser Stelle: Minimalismus ist nicht die Lösung – vor allem nicht, wenn er dann doch im unbedachten Konsum endet. Wenn dir nach Ausmisten ist, tu es – aber tu es nachhaltig! Schmeiß den Kram nicht in den Müll, spende ihn. Frag Freunde, ob sie etwas damit anfangen können, schenk’s den Nachbarn. Und wenn du kaufst: Kauf bedacht – denn Kaufen kann helfen! Ehrlich!
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