Work
Die Purpose-Frage: Muss Arbeit Sinn ergeben?
29. September 2021
Arbeit mit Sinn, statt sinnlos arbeiten – das wollen wir ja doch irgendwie alle. Insbesondere die „Generation Y“, bei der das „Y“ bzw. „Why“ sogar für die generationsprägende Sinnfrage steht, sucht „Purpose“ im Job. Doch wo hat sich dieser Sinn eigentlich versteckt? Und wie findet man ihn?

Braucht es eine Purpose-Company, um Purpose im Job zu haben


Keine Generation zuvor hat so viele Sinnfragen gestellt, wie die „Generation Y“.  In manchen Artikeln wird sie sogar als die „Generation Bindungsangst“ beschrieben. Doch diese Bindungsangst prägt nicht nur den Umgang mit privaten Beziehungen, sondern auch mit Beziehungen im beruflichen Kontext. Irgendwo muss er doch sein, der heilige Gral. Der Job, der ausreichend bezahlt wird, bei dem super Kollegen arbeiten und – ganz wichtig – bei dem die Firma auch noch was Gutes tut oder im besten Fall der Unternehmenssinn im Gutes-tun liegt. Na ja und Spaß machen, Spaß machen muss er auch. Denn: Zufriedenheit steht ganz oben auf der Liste der Y-ArbeitnehmerInnen. 

Wie wichtig ist die Sinnsuche für uns?

Der Soziologe Maslow hat in einem Theorie-Modell eine Hierarchie unserer menschlichen Bedürfnisse entwickelt. Bezieht man diese auf den Arbeitskontext, erschließt sich, warum die Generation Y auf der Suche nach dem Sinn ist: Sie ist satt. Aber von vorn: In der Bedürfnishierarchie steht bei Maslow an erster Stelle die Befriedigung physiologischer Bedürfnisse, wie etwa Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Auf der nächsten Stufe folgen Sicherheitsbedürfnisse – im Kontext von Arbeit wäre das beispielsweise ein Arbeitsvertrag oder ein sicheres Arbeitsumfeld. Anschließend folgen soziale Bedürfnisse. Als Mitarbeiter:in möchte man sich zugehörig fühlen, Teil des Teams sein. Ist dies gegeben, folgt das Bedürfnis nach Wertschätzung, also Anerkennung der Arbeit. Ist auch dieses Bedürfnis gesättigt, folgt die letzte Hierarchie-Ebene: das Bedürfnis der Selbstverwirklichung. Jetzt geht es darum, die eigene Persönlichkeit entfalten zu können. Dazu gehört auch der Anspruch, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Zusammengefasst: Erst wenn es uns so richtig gut geht, fragen wir überhaupt danach, ob „Purpose“ im Tun liegt. Es ist sozusagen das i-Tüpfelchen. 

Bei der Sinnsuche kommt es auf den Blickwinkel an

Es gibt Jobs, bei denen erschließt sich der vermeintliche Sinn nicht auf den ersten Blick. Wir gehen morgens ins Büro und klöppeln an unseren Marketingkampagnen herum. Wir gehen abends nach Hause und fragen uns „warum eigentlich?“. Ja, an diesem Tag hast du vermutlich nichts zum Weltfrieden beigetragen. Aber dein Tun war deshalb nicht unwichtig. Denn ganz ehrlich? Auch die Marketingkampagne ist wichtig. Ohne sie wird das beworbene Produkt keinen Erfolg haben, ohne Erfolg des Produkts wird das Unternehmen keine Einkünfte erzielen, ohne Einkünfte können keine Arbeitsplätze gehalten werden, ohne Arbeit… Na ja, ohne Arbeit gibt’s dann schlicht kein Geld. Es ist okay, stolz zu sein, auf das, was du tust. Auch wenn du bei keiner NGO tätig bist, oder am offenen Herzen operierst. 

Die besondere Aufgabe von Führungskräften: Sinn geben

Im besten Falle gibt es in jedem Unternehmen Führungskräfte, die den Sinn der Arbeit in genau diesem Unternehmen kommunizieren. Führungskräfte, die den Hunger nach Persönlichkeitsentfaltung stillen, in dem sie ihn kommunikativ und argumentativ füttern. Wenn nicht, dann versuchen wir das in wenigen Worten mal zu übernehmen. Marketers dürfen stolz sein, dass ihre Kampagne ein mega Produkt unterstützt. Das kann ein Haushaltsgerät, das die Hausarbeit erleichtert und gestressten Menschen mehr Zeit schenkt sein. Aber auch ein Shampoo, das für einen richtigen Entspannungsmoment unter der Dusche sorgt, ist Grund stolz zu sein. Denn: Entspannung ist wichtig für unsere Gesundheit! BäckerInnen dürfen stolz sein, dass die warmen, duftenden Brötchen den Morgen der NachbarInnen versüßen. Der Zeitungsbote sorgt dafür, dass die Sonntagszeitung pünktlich zum ersten Kaffee auf dem Frühstückstisch liegt und gleichermaßen für Gemütlichkeit und Information sorgt. Wir könnten ewig so weitermachen... 

Auch die KollegInnen spielen eine Rolle – wenn sie wollen, sogar eine große

These: Vielleicht muss der Sinn gar nicht in der Arbeit selbst liegen. Nicht jedes Unternehmen ist eine Purpose Company und vielleicht fällt es dir schwer, die vorangegangenen Beispiele auf deine Situation anzuwenden. Aber hey, die KollegInnen sind nett und man hat einfach eine gute Zeit miteinander? Nice! Denn auch das kann sinnvoll sein – sich selbst und anderen bei der Arbeit etwas Gutes zu tun. Zu lachen, zu reden, Ratschläge auszutauschen… Socializing eben. Vielleicht entsteht daraus sogar mehr. Vielleicht tut ihr euch zusammen, gründet eine Gruppe, die sich für mehr Frauenrechte am Arbeitsplatz einsetzt oder für die 4-Tage-Woche. Und zack: Aus dem Job, der eben noch sinnlos wirkte, entstehen neue Dinge und eventuell seid ihr bald die Company, die als ein Vorreiter für die 4-Tage-Woche gilt. Oder ihr tut euch zusammen und gründet einen Stammtisch oder ein Badminton-Team und habt einfach Spaß zusammen. Spaß ist so wichtig auf dem Weg zur Zufriedenheit! Hier liegt der Sinn im Spaß haben selbst – und das kann wahnsinnig befreiend sein. 

Es kommt auf die eigene Einstellung an

Ganz ehrlich, die meisten von uns retten keine Leben. So ist das eben. Aber das ist auch okay. Jeder Job hat seine Daseinsberechtigung, du musst sie nur erkennen. Letztendlich liegt der Wunsch nach dem Sinn bei den meisten von uns gar nicht im altruistischen Handeln, sondern im Streben nach Glück und Zufriedenheit. Wir glauben zwar, dass nur eine vermeintlich sinnvolle Arbeit zu unserem eigenen Glück beitragen kann. Aber das ist nicht richtig. Es ist nicht die sinnvolle Arbeit, es ist die sinnstiftende. Und die Sinnstiftung liegt ganz allein bei uns selbst und vielleicht noch bei unseren Vorgesetzten. Aber auch nur vielleicht. Also, um die Eingangsfrage zu beantworten: Wo hat sich dieser Sinn versteckt? In deinem Kopf! 
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